Ersetze die Peitsche durch Zuckerbrot

16 September 2019
Marion Essletzbichler

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier - ein Sprichwort, das jede/r kennt. Warum ist das so? Gewohnheiten und Routinen geben uns Sicherheit, wir müssen dazu nicht nachdenken, wir tun es einfach. Denken Sie an das Zähneputzen, das Autofahren, usw. Diese Automatismen sind gut, wir können einen Teil unseres Gehirns dabei abschalten weil es "wie von selbst" abläuft. Nun sind uns viele unserer Automatismen gar nicht so bewusst. Sie erkennen das, wenn Sie einen Alltag von Freunden oder Bekannten miterleben. Da ist einiges anders und Sie können sich vieles überhaupt nicht vorstellen. Automatismen, Gewohnheiten und Prägungen sind auch sehr mit dem Essen verknüpft. Was für Person A eine normale Portionsgröße ist, ist für Person B viel zu viel. Und sowieso, "brauche ich in der Früh meinen Kaffee, sonst kann ich nicht arbeiten".

Nun fällt Ihnen auf, wenn Sie reflektieren, dass Sie Gewohnheiten haben, die sehr positiv sind. Nehmen wir wieder das Zähne putzen. Sie denken weiter nach, und es fällt Ihnen auf, dass Sie auch einige Gewohnheiten haben, die nicht förderlich sind für Ihre langfristigen Ziele. Das Gemeine ist, dass die schnellen Glücksmomente realer sind, als die in weiter Ferne. 

Das Snacken auf der Couch am Abend, der automatische Gang zur Naschlade weil Sie einen schlechten Tag hatten, beim Ausgehen, nach 2 Gläsern Wein, noch ein 3. und 4. bestellen, obwohl Sie eigentlich genug haben, noch schnell eine Zigarette rauchen, bevor es an die Arbeit geht, ...

Gewohnheiten zu erkennen, die Guten, die Schlechten und die Neutralen, ist der erste Schritt, wenn Sie sich verbessern wollen. Der nächste wäre logisch schlussfolgernd, die schlechten Gewohnheiten einfach wegzulassen.  Aber, so einfach ist es nicht. Wenn wir Gewohnheiten weglassen, entsteht häufig eine gewisse Leere. Nicht selten wird beim Rauchstopp dann mehr genascht. Wie oft hört man von der sogenannten Suchtverschiebung, wenn sich ehemalige Alkoholiker dem Glücksspiel widmen. Manche werden auch Leistungssportler und vegan - Rich Roll ist so ein Beispiel. Von einem Extrem ins Nächste zu rutschen ist auch nicht der Weg, zumindest nicht für die meisten, weil die Balance uns doch am besten in die Mitte bringt. 

Was ist nun zu tun? Meine schlechten Gewohnheiten stören und blockieren mich.

Eine Idee ist das Ersetzen. Ein paar Beispiele: 

  • Ersetze Serien-Marathons durch Schlaf 
  • Ersetze negative Menschen durch inspirierende, positive Persönlichkeiten 
  • Ersetze Jammern mit Dankbarkeit
  • Ersetze Schuldzuweisungen mit Verantwortungsbewusstsein
  • Ersetze Alkohol durch Wasser
  • Ersetze Grübeln durch Taten
  • Ersetze Perfektionismus durch Selbstfürsorge

Sie hätten jetzt bestimmt erwartet, dass jetzt einige Ernährungsbeispiele kommen. Wie zum Beispiel: Ersetze Nusstorte durch Obst. Ich denke, das wissen Sie schon. Ich denke, Sie machen das alles richtig, vielleicht zu richtig? Sie möchten doch alles perfekt machen, so wie es von Ihnen erwartet wird. Aber dann, am Abend, wenn Sie endlich loslassen können endet die kleine Portion Eis in einer leeren Eisschachtel, endet das Achterl in der leeren Weinflasche, ... Oder, sie essen statt Nudeln die Zucchininudeln, trinken statt Milch ungesüßten Mandeldrink und statt Zucker wird nur mehr Erythrit genommen. Das geht eine Zeit lang gut, aber irgendwann ist dann keine Energie mehr da, sie fühlen sich deprimiert und ohne Lebensfreude.  

Lassen Sie den Perfektionismus los. Finden Sie Ihre emotionalen Muster und seien Sie Ihre beste Freundin. Stress, sowohl körperlich als auch psychisch, lässt sie nicht abnehmen, auch wenn Sie keine Heißhungerattacken haben. Chronischer Stress bedeutet auch zu viel zu sporteln und ständig zu wenig zu essen. Die Standardaussage: "Bewegen Sie sich mehr und essen Sie weniger!"

Genau bei dieser Aussage ist oft ein Ersetzen notwendig!!! Weniger essen ist zu ersetzen - nämlich durch ANDERS essen, nicht zwingend weniger! Eine andere Lebensmittelauswahl, angepasst an Ihre Bedürfnisse. Das kann keine Internetseite. Das können nur Sie selbst und wenn Sie Hilfe brauchen, dann bin ich da.