Kohlenhydrate Teil 2

31 Dezember 2020
Marion Essletzbichler

Wie schon im Teil 1 beschrieben, darf man nicht alle Kohlenhydrate in einem Topf werden, obwohl am Ende alles in Glucose endet. Es ist ja auch im echten Leben so: wenn man sich ein Ziel setzt ist es zwar wichtig den Ist - Status festzumachen und dann das Ziel zu definieren, die wirkliche Magie findet sich allerdings am Weg zum Ziel. Genauso ist es auch bei den Kohlenhydraten. Die Zeit, und das Geschehen, vom Essen bis die Glucose im Blut angelangt ist. Nun ist der Mensch ja kein Norm-Objekt sondern ein hochkomplexes Orchester, daher ist dieser Weg dazwischen ein sehr individueller. Auch das wurde im Teil 1 schon beschrieben. 

Wenig oder viel Kohlenhydrate, oder gleich Keto?

Kohlenhydrate erhöhen nicht nur den Blutzuckerspiegel, sondern auch den Insulinspiegel. Das ist physiologisch und nichts Böses, sondern sogar essentiell für viele Stoffwechselmechanismen. Problematisch wird es, wenn es Insulin und Glucose zu lang '(zu) hoch sind. Es kann eine sogenannte Insulinresistenz entstehen, das passiert gern wenn der Körper ohnehin überlastet ist oder Entzündungen im Körper brodeln. Daher wird oft, aus gutem Grund empfohlen, weniger Kohlenhydrate zu konsumieren. Allerdings ist eine Low Carb Ernährung nicht der einzige Weg den Insulinspiegel zu senken. 

Wann ist eine ausreichende Kohlenhydratversorgung wichtig?

  • Bei HIIT, Crossfit WOD's, Intervalle, jeglicher intensiver Sport: Kohlenhydrate sind für anaerobe Stoffwechsellagen der Turbo-Benzin schlechthin. Vor und kurz nach einer Einheit können dann durchaus auch azelluläre Kohlenhydrate konsumiert werden. Yes zu Kekse, Cornflakes, Gummibärchen und Co. 
  • Frauen vor der Meno- bzw. Prämenopause profitieren von einer adäquaten Kohlenhydratmenge um den hormonellen Zyklus reibungslos ablaufen zu lassen. Kohlenhydrate zeigen dem Körper einen guten Energiestatus. Ist das nicht der Fall, können atypische Zyklen oder Amenorrhoe entstehen. 
  • Bei jeglichem Stress (Arbeit, Beziehung, ...), bei schlechtem Schlaf/Durchschlafstörungen sind Kohlenhydrate wichtig um die Nebennieren nicht noch mehr zu belasten. Im Falle einer unzureichenden Kohlenhydratzufuhr sorgen die Stresshormone Adrenalin, Noradrenalin und Kortisol für die Aufrechterhaltung der Blutglucose. Wenn nun keine Kohlenhydrate konsumiert werden, sind die Nebennieren im Dauerstress. 

Kohlenhydrate haben zusätzlich wichtige Aufgaben für die Produktion von aktiven Schilddrüsenhormonen, für die mentale Gesundheit und die Hunger/Sättigungsregulierung. 

Bei welchen Symptomen oder Menschentypen ist nun ein niedrigerer Kohlenhydratanteil einen Versuch wert?

  • bei großen Blutzuckerschwankungen (reaktiven Hypoglykämien)
  • Insulinresistenz, Diabetes Typ 2, unerwarteter Gewichtszunahme
  • Frauen in der Menopause
  • bei einem niedrigen Bewegungslevel (sitzender Beruf, wenig/kein Sport)
  • bei besserem Wohlbefinden und Energielevel wenn man weniger Kohlenhydrate konsumiert

Ich hoffe, die zwei kurzen Artikel konnten ein bisschen Licht ins Dunkel bringen und klar machen, dass in der Ernährung nie der Kontext und das Differenzieren vergessen werden darf.